Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf. Darauf kommt es an.

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Es gibt viele gute Gründe, keinen Neuwagen zu erwerben, sondern einen Gebrauchtwagen zu kaufen. Allerdings gibt es mittlerweile mindestens ebenso viele Tipps, um sich vor betrügerischen Machenschaften beim Kauf der neuen Familienkutsche zu schützen. Worauf es ankommt, verrät dieser Beitrag.

  1. Überprüfung der Papiere

Das Problem bringt der WDR mit diesen Worten auf den Punkt: „Der Handel und Diebstahl von Papieren erlebte in den vergangenen Jahren einen Boom: Kein Wunder, denn der Schwarzmarktwert wird pro Zulassungspapier auf bis zu 1.000 Euro geschätzt.“ Das heißt, dass Verbraucher, die einen Gebrauchtwagen kaufen, Gefahr laufen, ein Fahrzeug mit gefälschten Papieren zu erwerben. Da dahinter meist Profi-Verbrecher stecken, ist auf den ersten Blick kaum erkennbar, ob die Papiere im Original vorliegen oder ob es sich dabei um eine Fälschung handelt. Heraus kommt der Betrug häufig erst beim Kraftfahrbundesamt.

Die Praxis sieht hier so aus: „Alle gestohlenen Blanko-Papiere müssen beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) gemeldet werden. Dort werden sie in eine Datenbank eingetragen. Denn alle Zulassungspapiere haben eine eindeutige Nummer und können so erkannt werden. Wird nun ein solches Papier bei einer Ummeldung verwendet, erhalten die Mitarbeiter im Straßenverkehrsamt einen Hinweis, dass es sich um gestohlene Papiere handelt.“ Da das KBA aber die Nummern gestohlener Papiere nicht veröffentlicht, hilft Käufern nur der Anruf bei der Zulassungsstelle, um sicher zu gehen, dass die Papiere korrekt sind.

  • Fahrzeugzustand vom Profi checken lassen

Wer eine Fahrzeugbesichtigung organisiert, sollte hierzu – wenn möglich – einen Profi mitnehmen. Dieser kann weitaus mehr aus dem Fahrzeugzustand ablesen, als ein Laie dies könnte. Wer diese Option nicht hat, sollte zumindest auf diese Punkte bei der Besichtigung des Fahrzeugzustands achten:

  • Ein genauer Blick auf den Lack bietet sich an. Hier können Indizien für etwaige Unfälle gefunden werden. Regenwetter ist dazu nicht die beste Voraussetzung, denn dann täuscht der Eindruck. Risse im Lack oder matte Stellen verraten, dass das Fahrzeug nicht mehr im Original-Kleid vor einem steht. Auch wenn Farbunterschiede bei verschiedenen Karosserieteilen auffallen, kann das ein Indiz dafür sein, dass das Fahrzeug nach einem Unfall teil-lackiert wurde.
  • Der Innenraum kann einen Laien schnell hinters Licht führen. Sieht dieser sehr gepflegt aus und mutet fast schon professionell aufbereitet an, kann dies durchaus der Wahrheit entsprechen. Ein Blick in Ecken und Ritzen verrät allerdings meist, wie es wirklich um die Pflege des Fahrzeugs bestellt war.
  • Ein dem Alter des Fahrzeugs entsprechender Motorraum wirkt authentisch. Ist der Motorraum erst kurzfristig gereinigt worden und blitzt und blinkt förmlich, kann das auch bedeuten, dass undichte Stellen manipuliert werden sollen. Ein Anblick voller Dreck und Rost hingegen zeigt an, dass sich der bisherige Besitzer wohl nicht sehr gut um das Gefährt bemüht hat.
  1. Serviceheft, Kilometerstand und Co.

Abbildung 2: Einst wurde eine Bohrmaschine dazu genutzt, um den Kilometerstand zurückzudrehen.
Heute braucht es entsprechende Computerkenntnisse.

Ein Serviceheft gilt in der Regel als Nachweis für Reparatur, Wartung und Pflege. Allerdings kann das Heft noch leichter gefälscht werden als die eingangs erwähnten Fahrzeugpapiere. Idealerweise können die im Serviceheft dokumentierten Leistungen anhand von Rechnungskopien belegt werden. Das bietet dem Käufer nicht nur Sicherheit, sondern auch die Möglichkeit, bei etwaigen späteren Reparaturen nachzuschlagen, was am Fahrzeug bereits alles repariert wurde. Zudem sind Rechnungen von Wartungs- und Reparaturarbeiten ein wichtiges Indiz dafür, ob der Kilometerstand korrekt ist.

„Mindestens ein Drittel aller Gebrauchtwagen haben laut Umfragen des Automobilclubs von Deutschland (AvD) einen manipulierten Kilometerstand“, heißt es im Tagesspiegel. Auch bei diesem Thema sind Verbraucher vergleichsweise machtlos, denn sie haben kaum eine Möglichkeit, die Trickserei zu entlarven. Also gilt es auch vor diesem Hintergrund, den Zustand des Fahrzeugs, das Alter und etwaige Reparatur- und Wartungsarbeiten miteinander in Verbindung zu setzen. Wer sich als Verkäufer freiwillig dazu verpflichtet hat, eine Kilometerstandshistorie zu führen, schafft Transparenz und kann Interessenten damit sicherlich überzeugen.


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