Das Gefühl von Freiheit… Der Traumberuf des Fernfahrers stirbt aus

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Der Fachkräftemangel schlägt sich nicht nur in Ingenieurberufen und der Pflege nieder. Auch Berufskraftfahrer sind derzeit sehr gefragt. Geänderte Gesetzesrichtlinien, niedriger Verdienst und die Bundeswehr sind am Mangel schuld. ,

Peter Gundlach ist verzweifelt. Vor mehr als zwei Monaten wurde er beauftragt, für das Speditionsunternehmen Klingenburg in Niederkrüchten einen Berufskraftfahrer einzustellen. Bisher ohne Erfolg. Er ist kein Einzelfall. Auch andere Firmen aus der Transportbranche suchen händeringend Fahrer. Experten schätzen, daß mittlerweile bis zu 150 000 Berufskraftfahrer in Deutschland fehlen.

„Der Markt ist leergefegt“, sagt Klemens Große-Vehnen, der deutschlandweit mehrere Speditionen leitet, in Mönchengladbach die Spedition Ernst Schruff. „Ich würde den arbeitssuchenden Leuten dringend raten umzuschulen. Dann hätte jeder einen sicheren Arbeitsplatz.“ Arndt Tierfelder, bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Mönchengladbach für Fachkräfteberatung zuständig, bestätigt: „Die Unternehmen geben uns die Rückmeldung, daß bei Berufskraftfahrern, in der Pflege, bei den Ingenieuren und in der gewerblichen und technischen Ausbildung ein Mangel an Fachkräften besteht.“ Die hiesige Arbeitsagentur ist im Bereich Berufskraftfahrer bereits fleißig und schult um. „Da müssen wir auch wenig Überzeugungsarbeit leisten. Es ist ein attraktiver Beruf“, sagt Sprecherin Katrin Schliffke.

Ein Grund für den Mangel an Berufskraftfahrern sind die geänderten Gesetzesrichtlinien für die Qualifikation. Seit 10. September 2009 ist bei Neuerwerb neben der klassischen Führerscheinprüfung auch eine (beschleunigte) Grundqualifikationsprüfung bei der IHK nötig. Die Pflichtweiterbildung mit 35 Zeitstunden muß zudem alle fünf Jahre aufgefrischt werden. „Früher hat der Lkw-Führerschein 2000 DM gekostet, und auch Studenten haben sich mit Lkw-Jobs etwas dazuverdient“, erklärt Christoph Ismar, der in Gladbach und Korschenbroich die Lkw-Fahrschule Ismar leitet. „Heute ist es viel zeitaufwändiger und das Ganze kostet bis zu 7000 Euro. Da braucht man eine Spedition oder das Arbeitsamt, die einen fördern.“ Auch die Bundeswehr bildet deutlich weniger Lkw-Fahrer aus. Waren es früher noch bis zu 30 000 im Jahr, sind es jetzt noch 5000.

Ein weiterer Grund für den Mangel an Berufskraftfahrern sind die geringen Verdienstmöglichkeiten. Das wird sich aber durch die große Nachfrage aller Voraussicht nach ändern. „Bald können die Fahrer nicht mehr mit 2000 Euro abgespeist werden“, erklärt Christoph Ismar. Pro Woche bekommt der 49Jährige etwa zehn Anrufe von Speditionen, die Fahrer direkt nach der Qualifikation einstellen wollen. Das Logistik-Unternehmen UPS wurde in den vergangenen Wochen vorstellig und versuchte, angehende Berufskraftfahrer mit einer Präsentation für sich zu gewinnen. „Früher konnten sich die Paketdienste zurücklehnen, warten, bis die Fahrer kommen, und dann den besten aussuchen“, sagt Ismar. Jetzt habe sich das Blatt gewendet. Die Fahrer suchten sich den Arbeitgeber mit dem besten Gesamtpaket aus. Und in Mönchengladbach sei die Auswahl, vor allem mit den Logistikzentren von DHL, Fiege und Zalando im Regiopark, nicht schlecht.

Die Politik und EU ist hierbei jedoch auch gefordert und kann einen maßgeblichen Teil zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Lohnzahlungen beitragen. Solange es geduldet wird das Spediteure Fahrer aus Ostblockländern für 900 € Bruttoverdienst pro Monat beschäftigen und die Fahrer Monatelang quer durch Europafahren kann der Lohn für Deutsche Fahrer nicht steigen. Gefordert werden verschärfte Kontrollen die Verstöße gegen das Kabotagegesetz und die Wochenendruhezeit aufdecken. Denn die Osteuropäischen LKW die Ihre Ruhepause am Wochenende unter widrigen Umständen verbringen nehmen drastisch zu, solange dies nicht verschärft kontrolliert wird, ist es für die in Deutschland ansässigen Unternehmen schwer ein attraktives Gehalt für diesen Beruf zu bezahlen. Eine Initiative ist die Actie in Transport Deutschland diese wurde gegründet von Udo Skopeck und macht sich gegen Sozialdumping im Speditionsbereich stark. Nähere Informationen unter http://www.actie-in-de-transport.org/

Quelle: RP, Patrick Scherer, Michael Kuhn


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